Volksbegehren "Rettet die Bienen"

Presseberichte

 Foto: Roland Günter
Mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" soll ein neues Naturschutzgesetz erlassen werden, das dem dramatisches Artensterben entgegenwirken kann. Foto: Roland Günter

Pfarrer dafür, Landwirt dagegen

 

Dekan Oliver Bruckmann setzte am Donnerstagmorgen im Schweinfurter Rathaus als Erster seine Unterschrift unter das Volksbegehren "Rettet die Bienen". Nicht nur als Pfarrer, sondern als Christ sieht er seinen Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung gefordert. "Das geht uns alle an", wirbt er für das von der ÖdP initiierte Volksbegehren, das vom Bund Naturschutz (BN), den Grünen und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) unterstützt wird. Deren örtliche Vertreter flankierten die prominente Unterzeichnung mit wiesengrünen Transparenten, auf denen der Insektenschutz und der Stopp des Pestizideinsatzes mit kleinen herumschwirrenden Bienen postuliert wird. 

 

"Es ist fünf vor zwölf", verdeutlicht LBV-Kreisvorsitzender Harald Vorberg den Ernst der Lage. Jedes Jahr geht ein Stück Kultur- und Naturlandschaft verloren und damit Lebensraum für die Tierwelt. Längst trifft es nicht mehr nur Bienen und Insekten. "Auch die Vögel verschwinden nach und nach." So hat der Vogelschützer im letzten Jahr bei seinen Kontrollgängen südlich von Grettstadt erstmals kein Rebhuhn mehr gehört und keine Wachtel mehr gesehen. Auch der Wiedekopf ist weg. "Das zieht sich durch wie ein roter Faden", prognostiziert Vorberg ein weiteres Artensterben. "Das Größte seit dem Verschwinden der Dinosaurier", verweist BN-Kreisvorsitzender auf eine WWF-Studie aus dem Jahr 2017. "Und zuletzt trifft es den Menschen", ergänzt Dekan Bruckmann. 

 

Die wichtigsten Ziele des Volksbegehrens sind deshalb die Wiedervernetzung von Lebensräumen für Tiere, der Erhalt von Hecken, Bäumen und Feldgehölzen in der Landschaft, der Schutz der Uferrandstreifen vor ackerbaulicher Nutzung sowie die Forderung nach einem massiven Ausbau der ökologischen Landwirtschaft. "Wir brauchen eine Million Stimmen", wirbt Günther für die Eintragung in die Unterschriftenlisten. Dass der Bayerischen Bauernverband von "Bauernbashing" spricht und gegen das Volksbegehren mobil macht, sieht der BN-Kreisvorsitzende nicht als Hemmschuh. Im Gegenteil: "Wenn es konträre Meinungen gibt, dann sind die Chancen größer, mehr Menschen zu mobilisieren." Die Kritik des Bauernverbands, dass mit dem Volksbegehren Unterschriften gegen die Landwirtschaft gesammelt würden, weist er zurück: "Es geht uns um die Verbesserung der industrialisierten Landwirtschaft." Denn die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu immer größeren Feldern, der Ausbeutung der Böden und dem Pestizideinsatz  gelte es zu stoppen. "Gerade mit diesen Handlungsweisen und den bestehenden Fördersystemen ist es ja zu dem gekommen, wie es ist." Allein die rechtliche Zulassung des Volksbegehrens zeige zudem, "dass was im Argen liegt".  

 

Kreisobmann Michael Reck: "Das ist wie ein Lohnabzug für den Umweltschutz"

 

Das sieht der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl ganz anders: Statt das bäuerliche Engagement für den Umwelt- und Naturschutz anzuerkennen, werde Stimmung gemacht und nach neuer Reglementierung gerufen. Kreisobmann Michael Reck spricht von einem "Eingriff ins Eigentum" und wirtschaftlichen Einbußen, wenn die bislang schon freiwillig von den Landwirten vorgenommenen Landschafts- und Artenschutzmaßnahmen gesetzlich festgeschrieben und dann nicht mehr gefördert würden. "Das ist wie ein Lohnabzug für den Umweltschutz, der aber nur den Landwirt trifft. Als wären wir alleine für das Insektensterben verantwortlich." Dabei sollte jeder vor seiner eigenen Haustüre kehren, schimpft Reck über geschotterte Vorgärten, SUVs in der Garage und billige Flugreisen, die dem Umweltschutz genauso wenig zuträglich seien. Er wird das Volksbegehren nicht unterschreiben.

 

Biobäuerin Erika Peter aus Schwebheim hingegen unterstützt das Volksbegehren und hält die Sichtweise des Bauernverbands für zu kurz gedacht. "Wir müssen an die kommenden Generationen denken und alle etwas für den Artenschutz beitragen", appelliert sie an das Umweltbewusstsein jedes Einzelnen. Und Dekan Bruckmann stellt klar: "Es geht nicht nur um die Bauern, es geht um uns alle." 

 

Vom 31. Januar bis 13. Februar können sich die Bürger für das Volksbegehren in ihrem jeweiligen Rathaus einschreiben. Am 5. Februar informiert Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), um 19 Uhr im Pfarrzentrum St. Kilian in Schweinfurt über Inhalte und Ziele des Volksbegehrens.

Schweinfurter Tagblatt, 1.2.2019

 

Aufruf für das Volksbegehren: BN-Kreisvorsitzender Edo Günther (Mitte) warb mit dem Kreisvorsitzenden des LBV Harald Vorberg (links) und dem ÖDP Vertreter Bernd Köberlein für die Eintragung in die Unterschriftliste (Foto: Irene Spiegel
Aufruf für das Volksbegehren: BN-Kreisvorsitzender Edo Günther (Mitte) warb mit dem Kreisvorsitzenden des LBV Harald Vorberg (links) und dem ÖDP Vertreter Bernd Köberlein für die Eintragung in die Unterschriftliste (Foto: Irene Spiegel

Rettet die Bienen

Es ist nicht die typische Jahreszeit, um über Bienen und ihren Schutz nachzudenken. Ein Aktionskreis in Stadt und Landkreis Schweinfurt macht es trotzdem. Er macht sich für das Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern - Rettet die Bienen!" stark und ruft die Bürger auf, sich zu beteiligen. Das gibt der Aktionskreis in einer Pressemitteilung bekannt.

 

Der am 11. Januar gegründete Aktionskreis ist einer von mehreren in der Region: Unter anderem im Landkreis Würzburg gibt es einen, in Bad Königshofen ebenfalls. Das Volksbegehren, das sie alle unterstützen, hat die ÖDP initiiert. Mitte November hat das Innenministerium das Begehren zugelassen, für das es knapp 95 000 Unterschriften gab. „Wir sind überglücklich, dass uns ein höchst wirksamer und rechtlich unangreifbarer Gesetzentwurf gelungen ist. Diese direktdemokratische Initiative ist die größte Chance für den Naturschutz in Bayern seit Jahrzehnten", sagt Edo Günther, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, laut Pressemitteilung.

 

In Schweinfurt hat sich der Aktionskreis am 11. Januar gegründet. Er besteht aus dem Bund Naturschutz, dem Landesverband für Vogelschutz, Imkern, dem Bienenzuchtverein, den Naturfreunden des Bezirks Unterfranken und der Bürgeraktion Müll und Umwelt. Die Landesvereinigung für den ökologischen Gartenbau in Bayern, der Bund für Geistesfreiheit und Dekan Oliver Bruckmann unterstützen den Aktionskreis. Grafenrheinfelds Bürgermeisterin Sabine Lutz, Schonungens Bürgermeister Stefan Rottmann, die Schweinfurter Liste/Freie Wähler sowie die lokalen Verbände der ÖDP, von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und der Linken sind ebenfalls dabei.

 

Es soll "das wirksamste Naturschutzgesetz Deutschlands" werden

 

Sie alle wollen die Artenvielfalt schützen und wiederherstellen, so gut es gehe, heißt es in der Pressemitteilung. Dabei setzen sie auf Schweinfurts Bürger: „Ein Volksbegehren ist das wirksamste Werkzeug der direkten Demokratie und wird mehr in Bewegung bringen als jede Petition", so die Sprecher des Aktionskreises, Esther Wagenhäuser von der ÖDP und Harald Vorberg und Tina Hoffmeister vom Landesbund für Vogelschutz. Man wolle "alle Hebel im bayerischen Naturschutzgesetz in Bewegung“ setzen.

 

Das Aktionsbündnis wolle in Bayern "das wirksamste Naturschutzgesetz Deutschlands" erzielen. Konkret sollen unter anderem der Einsatz von Pestiziden reduziert und Uferrandstreifen an Gewässern geschützt werden. Die Gründe für die sinkende Artenvielfalt sollen in der landwirtschaftlichen Ausbildung Thema sein, Ansätze für biologische Landwirtschaft im Gesetz verankert werden. Das Aktionsbündnis betont, dass das Volksbegehren keine "Initiative gegen die Landwirtschaft" sei. Landwirtschaftliche Familienbetriebe seien "die Leidtragenden einer verfehlten Agrarpolitik", die für das "Höfesterben" verantwortlich sei.

 

Damit das Volksbegehren Erfolg hat, müssen in zwei Wochen 10 Prozent der Wahlbeteiligten in Bayern abstimmen. Schweinfurts Bürger können das vom 31. Januar bis 13. Februar im Rathaus unter Vorlage des Personalausweises machen. Bis dahin will das Aktionsbündnis Flugblätter verteilen und mit möglichst vielen Bürgern ins Gespräch kommen.

Schweinfurter Tagblatt, 22.01.2019

 

Grüner Engel für Harald Vorberg und Lothar Schwarz

Schweinfurter Tagblatt 16.4.2018
Schweinfurter Tagblatt 16.4.2018

Schweinfurt Baggersee

Schweinfurter Tagblatt 19.2.2018
Schweinfurter Tagblatt 19.2.2018

Stadtwildnis

Bericht : "in und um SW.de" News
Bericht : "in und um SW.de" News

Natur pur in Schweinfurt: Vogelschützer zeigen Stadtwildnis bei der SPD

SCHWEINFURT – Die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) zeigt bis zum 29.01.2018 Ausstellung „Stadtwildnis Schweinfurt“ in Schweinfurter SPD-Geschäftsstelle

Wer die Nase voll von „Twitter“ hat und sich stattdessen über echtes Vogelgezwitscher und die Natur informieren möchte, der kann dies ab sofort in der SPD-Geschäftsstelle tun. Dort präsentiert die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) bis zum 29.01.2018 die Ausstellung „Stadtwildnis Schweinfurt“.

Auf anschauliche Weise wird gezeigt, wie wichtig die Natur für die Stadt ist, wo wann welche Vogelarten zu beobachten sind oder welchen Effekt versiegelte Flächen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben.

Die Vogelwelt von Sennfeld

Schweinfurter Tagblatt 11.11.2016
Schweinfurter Tagblatt 11.11.2016